Der HERR ist auferstanden!
Letztens wurde ich gefragt: Ist der BRUNNEN zu den Bilderanbetern gegangen? Ich hatte die Frage nicht gleich verstanden, aber dann ging es um unser Kreuz auf dem Altar in unseren Andachtsraum.
Nun, die Frage konnte ich mit einem klaren „Nein“ beantworten. Aber das scheint ein altes Problem der Christenheit zu sein, wie das Bildergebot auszulegen ist. Luther hat sein sicheres Versteck auf der Wartburg verlassen, weil in Wittenberg die Bilderstürmer mit der Axt durch die Kirchen gezogen sind. Dabei waren die Bilder doch die einzige Predigt, die die Bauern verstanden haben. Sie waren der lateinischen Sprache nicht mächtig. Aber der gesamte Gottesdienst wurde auf Latein gehalten, auch die Predigt.
Das Gebot Gottes verbietet die Herstellung von Bildern zur Anbetung. Aber Gott verbietet keine Bilder, die zu uns predigen. In den letzten Jahren ist das Bild von den beiden verlorenen Söhnen von Rembrandt sehr bekannt geworden. Henri J.M. Nouwen hat persönlich erlebt, wie Gott durch dieses Bild zu ihm gesprochen hat. In seinem Buch „Nimm sein Bild in dein Herz“ lässt er uns daran teilnehmen. Weltweit wurden Menschen auf einmal von diesem Bild berührt, obwohl es schon viele Jahrzehnte in der Eremitage in St. Petersburg hängt.
Gott nutzt Bilder (auch den Sonnenuntergang am Meer), um mit uns zu sprechen. So sprach Gott zu Franziskus von Assisi durch die Ikone „Das Kreuz von San Damiano“. Es hing damals in einer kleinen verfallenen Kapelle in Damiano. Es füllt den ganzen Altarraum aus (2,10m hoch und 1,30m breit).
Gott nutzt immer wieder einmal Ikonen, um zu Menschen zu sprechen. Sie werden in einem aufwendigen Verfahren hergestellt. Aber entscheidend ist, dass sie unter Gebet geschrieben (nicht gemalt) werden. Denn sie vermitteln eine Nachricht von Gott.
Schauen wir auf die Ikone von Damiano (oft auch als Franziskuskreuz bezeichnet). Wir sehen ein Kreuz, dass nicht den Gekreuzigten zeigt, sondern den Auferstandenen. Die Nägel sind aus seinen Händen und Füßen entfernt. Hinter seinen Armen erkennen wir das schwarze Grab. Das hat er gesprengt. Da passt er nicht mehr hinein. Auch als Auferstandener trägt er noch die Wundmale. Damit wird klar, der Auferstandene ist auch der Gekreuzigte. Und das ist so wichtig für uns. In der Taufe, darf ich mit Christus sterben und auferstehen. Beides gehört zusammen.
Die Menschen unter den Armen von Christus (von links nach rechts). Das in Gold gehaltene Quadrat (Hinweis auf das himmlische Jerusalem, Offenbarung 21, dort wird die Stadt von gleicher Länge, Breite und Höhe beschrieben), das unter den Armen Jesu angeordnet ist, zeigt fünf Personen. Ihre Namen stehen jeweils darunter.
Links außen sehen wir Maria, die Mutter Jesu. Neben ihr steht der Jünger Johannes. Sie standen miteinander unter dem Kreuz (Jh. 19, 26+27), aber sie sind hier schon in die Herrlichkeit Gottes erhoben, deshalb der goldene Hintergrund und der Heiligenschein.
Rechts steht Maria Magdalena aus Magdala. Von ihr wird berichtet, dass Jesus 7 böse Geister ausgetrieben hat (Lk. 8,2). In der Tradition wird sie als die Sünderin angesehen, die Jesus die Füße salbte (Lk. 7,37). Über sie sagt Jesus: Sie hat viel Liebe gezeigt! Sie steht für die Vergebung der Sünde und die Erlösung von bösen Geistern.
Daneben steht Maria, die Mutter des Jakobus (er wird auch der Kleine genannt, vielleicht zur Unterscheidung zu Jakobus, dem Bruder Jesu). Diese Maria wird auch oft „die andere Maria“ genannt. Sie gehörte zu der Frauengruppe, die Jesus von Galiläa aus begleitet haben. Sie steht für die Diakonie.
Daneben steht der römische Hauptmann mit seinem Sohn (über seiner Schulter), der Jesus bittet, seinen Sohn zu heilen. Jesus schickt ihn nach Hause mit den Worten (Jh. 4,50): „Geh hin, dein Sohn lebt!“ Der Hauptmann vertraut dem Wort Jesu. So steht er hier für den Glauben, denn er glaubte mit seinem ganzen Haus (Jh. 4, 53).
Wenn man genau hinschaut, entdeckt man, wie das Blut Jesu aus seinen Wunden an seinen Armen entlang fließt und die Menschen reinigt und heiligt. Deshalb nennt Paulus die Gemeindeglieder in seinen Briefen oft die Heiligen. Ja wir sind heilig, nicht weil wir es uns verdient, oder erarbeitet hätten, nein, ganz allein, weil er uns durch sein Blut gereinigt hat. Deshalb ist es Christus möglich, dass ER in uns, als der Auferstandene, präsent ist.
Wenn wir dieses Kreuz, dass uns den Auferstandenen zeigt, länger ansehen, dann entdecken wir auch die Himmelfahrt Jesu. Er steigt zum Himmel auf und wird dort schon von den Engeln empfangen. Darüber sehen wir die segnende Hand des Vaters, denn das, was da geschehen ist, das ist unter seiner Verantwortung geschehen.
Am unteren Ende des Kreuzes sind ebenfalls Personen zu sehen, die aber nicht mehr richtig erkannt werden können. Auch auf sie fließt das Blut Jesu. Sind es die Menschen, die heute zu Christus finden? Diese Frage bleibt offen. Aber vielleicht ist es die Einladung, dass wir zu Christus kommen. Hier ist unser Zugang.
Christus ist von den Toden auferstanden, er hat den Tod besiegt und damit gewinnt seine Kreuzigung erst die volle Wirkung. Der Schreiber dieser Ikone, der aus Syrien kam, hält uns eine intensive Predigt, wenn wir unser Herz für das Wort Gottes öffnen.
Der HERR ist auferstanden. ER ist wahrhaftig auferstanden.